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Irgendwo zwischen Sportheim, Vereinsfeier, Gerichtssaal und Peter Steiners Theaterstadel befindet sich die Inszenierung Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug" vom Landestheater Tübingen. Der Deutsch-Leistungskurs der J2 erlebte ebendies am 19.03.26 in der Stadthalle selbst mit und verfügt nun über eine völlig neue Perspektive auf das Werk. Das im Jahr 1808 uraufgeführte Lustspiel handelt von dem korrupten Dorfrichter Adam, der im niederländischen Huisum unter Beobachtung des Gerichtsrates Walter über einen zerbrochenen Krug urteilen muss, den er selbst bei einem nächtlichen, versuchten sexuellen Übergriff auf die junge Eve in deren Zimmer zerstört hat. Anstatt einer erwartet klassisch nach Stil des 17. Jahrhunderts hergerichteten Kulisse fanden die Schüler ein Bühnenbild vor, bei dem es sich um einen Multifunktionsraum voller stereotypischer Requisiten, darunter eine Kuckucksuhr, handelte. Bedient wurden jegliche Klischees des Dorflebens, während gleichzeitig eine vertraute Atmosphäre herrschte. Dennoch verblieb der Text überraschend originaltreu, sodass komische Elemente nahezu ausschließlich durch das Schauspiel selbst zur Geltung kamen. Selbst groteske Situationen, wie den Sturz Adams und Ruprechts aus dem Fenster, wurden pointiert dargestellt, jedoch kippte die Vorstellung nie in eine reine Komödie. Stattdessen wurde gezielt Gesellschaftskritik geübt, beispielsweise durch die weiblich besetzte Rolle des Gerichtsrat Walters, die vorerst mit ihrem souveränen Auftreten hervorstach. Diese erreichte allerdings nur aufgrund einer schleichenden Abkehr von den Formalitäten und den Wechsel ins Informelle im Rahmen einer „Vesperpause“ die Offenlegung des Tathergangs. Nachdem der Wahrheit auf den Grund gegangen worden war, verließ Walter als Erstes die Bühne, gefolgt von allen anderen - bis auf den Richter Adam. Dass dieser schlussendlich allein zurückblieb, war kein Zufall, sondern vielmehr eine klare Botschaft: Die sündhaften Strukturen bestehen fort - der Täter gewinnt. Das Opfer Eve hingegen steht selbst nach vermeintlicher Klärung des Falls alleine da. Insgesamt war es ein Abend, der stellenweise durchaus zum Lachen reizte, dessen Humor aber zunehmend im Hals stecken blieb. Gerade im Hinblick auf das bevorstehende Abitur half die Inszenierung, zentrale Inhalte des Dramas zu vergegenwärtigen und eigene Interpretationsansätze zu entwickeln.


Text: Alisa Ries, Jahrgangsstufe 2, Leistungskurs Deutsch
Foto: Stadt Biberach, ÖA

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