Am Dienstag den 21. April machten sich die Zehnten Klassen des Gymnasiums (10a, 10b, 10+), begleitet von Frau Herb-Kuss, Herrn Rosensteiner und Herrn Wild, auf den Weg in die Kultur Stadt Weimar. Nach einem etwas verspäteten Start machten wir auf dem Hinweg einen Halt beim Erlebnisbergwerk Merkers. Dort sind wir mit Gitteraufzügen etwa 500 Meter in die Tiefe gefahren. Wir wurden mit LKWs durch die dunklen Tunnel gefahren und konnten eine Lichtshow und Salzkristalle in riesigen unterirdischen Höhlen bewundern. Die Fahrer waren sehr geübt darin, alle Kurven möglichst schnell zu fahren, also musste man sich auf der offenen Ladefläche gut festhalten. Außerdem lernten wir über die Relevanz des bis heute benutzen Bergwerkes während des zweiten Weltkriegs. Zeitweise wurde dort das gesamte Gold des Deutschen Reichs gelagert, was es zu dem reichsten Bergwerk Deutschlands machte. Nach der Tunnelfahrt folgte noch ein kurzes Stück Busfahrt, bis wir in der Jugendherberge Germania ankamen. Dort hatten wir den Abend zur freien Verfügung und richteten unsere Zimmer ein.
Am folgenden Tag fuhren wir mit dem Bus Richtung Eisenach zur Wartburg. Ein kurzes Stück mussten wir den Berg hinauflaufen, was viele von uns erstmal nicht so begeisterte, bis wir schließlich ankamen und eine wunderschöne Aussicht genießen konnten. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und durften die Wartburg und ihre Geschichte von innen kennenlernen. Besonders faszinierend waren zum einen der Raum der Heiligen Elizabeth von Thüringen, der vollständig aus 120 Jahre alten Mosaiksteinen besteht und ihre Geschichte erzählt, sowie der Festsaal, in dem sogar Schüler, die in Eisenach ihr Abitur absolvieren, ihren Abiball feiern dürfen. Diesen Festsaal kann man auch in Schloss Neuschwanstein besichtigen, da dort eine "Kopie" gebaut wurde. Außerdem sahen wir die berühmte Lutherstube, die viel größer war, als viele von uns gedacht hatten, jedoch eher schlicht eingerichtet war und nur wenige Möbel enthielt. Anschließend fuhren wir zum Point Alpha in Geisa, wo wir die Grenze zwischen der BRD und DDR betrachten konnten, die durch einen hohen Metallgitterzaun abgetrennt war. Wir hörten Geschichten über die Lage und Situationen, die an diesem Ort stattgefunden haben. So erfuhren wir von einem Unglück, bei welchem zwei Jugendliche am 24.12.1975 versuchten, über den Zaun zu klettern und dabei schwer verletzt wurden. Zunächst wurde angenommen, dass der verletzte Junge, der nicht fliehen konnte, gestorben sei. Erst viel später erfuhr man, dass einer der beiden Männer (Bernhard Fey) noch am Leben war. All dies erfuhren wir von Zeitzeugen, die ihre Kindheit in der Nähe verbrachten.
Nach der Rückfahrt in die Jugendherberge konnten wir abends wieder in die Stadt gehen. Da unsere Jugendherberge sehr zentral war, braucht man nur etwa 20 Minuten, um zu leckerem Essen zu kommen.
Der Donnerstagvormittag war reserviert für das Weimarer Stadtmuseum. Zuerst schauten wir einen Film der über die Mythen und die Geschichte Weimars aufgeklärt. Wir hatten das Glück und durften dort auch noch eine Zinnfigurenausstellung bewundern, welche gerade in Weimar ausgestellt ist. Die Wohnhäuser von Goethe und Schiller und die Anna-Amalia-Bibliothek waren Programm für den Nachmittag. Wir wurden in drei Gruppen aufgeteilt, die eigenständig zu diesen Attraktionen laufen konnten, um sie mit einem Audioguide anzuschauen.
Schillers Haus war mitten in den Stadt und hatte eine gelbe Fassade. Das restliche Haus war genauso bunt: In jedem Zimmer war eine andere Tapete, teilweise sogar über den Schränken. Das Interessanteste waren die Bilder und das selbstgemalte Spiel, welche Schillers Kinder vor vielen Jahren gemalt hatten. Als man ein Bett zur Seite stellte, fand man die Skizzen zufällig und seitdem sind sie dort ausgestellt. In einem Teil dieses Hauses war zudem noch eine Ausstellung zu Goethes Faust. Wir haben uns hier die Charaktere und deren Bedeutung anschauen können.
Goethes Haus war noch um vieles größer, unter anderem, damit er Platz für seine vielen Sammlungen hatte. (Goethe sammelte Geschirr, Steine und vieles mehr.) Wir haben gelernt, dass er teilweise Tage in seinem Büro verbracht hat, welches nicht mal für seinen eigenen Sohn zugänglich war.
Schließlich besuchten wir noch die Anna-Amalia Bibliothek. Die Bibliothek ist zwar nur ein verhältnisweise kleiner Raum, aber dafür um so schöner dekoriert. Die weißen Wände wurden von goldenen Mustern verziert. Durch einen Brand vor einigen Jahren ist zwar viel zunichte gegangen, jedoch wurde seitdem fast alles wieder erneuert. Nur an den leeren Regalen des zweiten Stocks hat man die Folgen des Brandes gesehen. Wie an jedem anderen Abend hatten wir auch diesen frei zur Verfügung und konnten uns ein genüssliches Abendessen suchen. Ein Großteil der Stufe war jedoch auch mit dem Fußballspiel beschäftigt. Schüler und Lehrer haben in einem TV-Zimmer der Jugendherberge zusammen bei Stuttgart gegen Freiburg mitgefiebert, was man auch einige Räume weiter hören konnte.
Am letzten Tag hatten wir die Möglichkeit am Vormittag noch in die Stadt zu gehen und jeder durfte frei entscheiden, was man gerne machen möchte. Als sich alle wieder am Bus zusammengefunden hatten, sind wir zum Konzentrationslager Buchenwald gefahren und die letzen paar Meter zu Fuß gegangen. Dort haben wir einen Film angesehen, der das Leben der Gefangenen sehr deutlich gezeigt hat.
Wir durften uns dann den Bahnhof, den Platz, wo die Gefangenen immer versammelt wurden, sowie das Krematorium ansehen. Dieses Ort hat uns alle ein Stück weit zum Nachdenken gebracht und uns noch einmal vor Augen geführt, wie gut wir es haben. Auch die Information, die uns unsere Guides mitgeteilt haben, waren sehr erschreckend. Am schlimmsten fanden wir, dass dort 56.000 Menschen starben oder auch ermordet wurden, unter anderem durch Verbrennung, Erschießung und Zwangsarbeit. Zudem mussten 2000 Menschen in einer Hütte schlafen, was bedeutet, dass auf 1,50 Meter etwa sechs Menschen lagen. Danach fuhren wir wieder nach Hause und kamen gegen 23 Uhr in Biberach an.
Neben unseren Programmpunkten hatten wir auch auf den Busfahrten jede Menge Spaß. Einige Jungs machten sogar einen Podcast über das Mikrofon des Busses für uns, der unglaublich unterhaltsam war. Wir spielten gemeinsam Spiele, redeten viel, hörten Musik und sangen natürlich mit. Die Abende konnten frei gestaltet werden: Ob gemeinsames Essen, ein Ausflug in die Stadt oder das Anschauen von Fußball – für jeden war etwas dabei.
Text: Linda Kasulke, Lara Sontheimer, Nicole Herb-Kuss
Fotos: Nicole Herb-Kuss